StrafanzeigeJournalist wehrt sich gegen Staatstrojaner-Angriff

Ein deutsch-vietnamesischer Journalist wurde mit dem Staatstrojaner Predator angegriffen. Jetzt stellt er Strafanzeige, gemeinsam mit der GFF. Die Staatsanwaltschaft soll die Täter ermitteln und die Grundrechte schützen. Besonders pikant: Nicht nur das Opfer kommt aus Deutschland, sondern auch Anbieter und Kunden.

  • Constanze
  • Andre Meister
Mann in Hemd und Anzug
Wehrt sich gegen Staatstrojaner-Angriff: Journalist Trung Khoa Lê. CC-BY-SA 4.0: Trung Khoa Lê

Wenn ein deutscher Staatsbürger in Deutschland mit einem Staatstrojaner gehackt werden soll, ist das ein Fall für die Staatsanwaltschaft. Davon geht jedenfalls die Gesellschaft für Freiheitsrechte aus. Die GFF hat heute gemeinsam mit dem deutsch-vietnamesischen Journalisten Trung Khoa Lê Strafanzeige gestellt.

Der Journalist recherchiert und publiziert auf seiner Plattform Thời Báo („Die Zeit“) seit Jahren über die Politik, Wirtschaft und Gesellschaft Vietnams. Seine Artikel und Videos finden bei der vietnamesischen Regierung keinen Gefallen.

Vietnam ist beinahe Schlusslicht der Rangliste der Pressefreiheit. Das Land zensiert und überwacht Medien großflächig. Doch Trung Khoa Lê veröffentlicht von Deutschland aus investigative Recherchen und Regierungspapiere.

Polizeischutz und Staatstrojaner

Wegen seiner Arbeit bekommt er Morddrohungen und Polizeischutz. Und er wird angegriffen. Bisher unbekannte Täter haben versucht, ihm einen Staatstrojaner aufzuspielen.

Vor zwei Jahren berichtete Trung Khoa Lê über korrupte Generäle im vietnamesischen Verteidigungsministerium. Den Artikel postete Thoibao auch auf seinem Twitter-Account.

Auf diesen Tweet antwortete ein Account namens @Joseph_Gordon16 und postete einen Link, offenbar in der Hoffnung, dass Trung Khoa Lê draufklicken würde. Hätte er geklickt, hätte ein Exploit sein Gerät heimlich kompromittiert und die Schadsoftware Predator installiert.

Gegen diesen Hacking-Versuch wehrt sich der Journalist jetzt. Die 34-seitige Strafanzeige liegt uns vor. Die Anzeige-Erstatter haben entschieden, das Dokument nicht zu veröffentlichen.

Lê Trung Khoa sagt: „Seit zweieinhalb Jahren ist bekannt, dass ich mit Spyware attackiert wurde. Bisher hat niemand auch nur ermittelt – oder gar die Täter*innen zur Rechenschaft gezogen. Deswegen habe ich nun Strafanzeige erstattet.“

Auch Deutsche beteiligt

Neben dem Berliner Trung Khoa Lê wurden auch andere Journalisten, aber auch Menschen aus Wissenschaft und Forschung, US-Senatoren, Diplomaten, EU-Beamte oder UN-Mitarbeiter mit Predator angegriffen.

Der Staatstrojaner Predator wird vom undurchsichtigen Firmenverbund Intellexa angeboten und vertrieben. Laut Spiegel verdienen auch Deutsche an dieser Überwachung. Laut portugiesischen Medien ist auch ein ehemaliger FinFisher-Manager involviert.

Deswegen ist der Fall von Trung Khoa Lê ein hausgemachtes Problem Europas: Die Schadsoftware eines europäischen Anbieters sollte einen Deutschen gezielt ausspionieren, wohl über den Umweg Vietnam.

Staat soll Täter finden

Der Journalist und die GFF möchten nun mit der Strafanzeige erreichen, „dass die Staatsanwaltschaft und Polizei in Berlin den Angriff aufklären und die Täter*innen ermitteln“. Die GFF schreibt:

Wäre der Angriff gelungen, hätten die Täter*innen auf die gesamte Kommunikation sowie alle dort gespeicherten Daten zugreifen können. Ein solcher Angriff stellt einen massiven Eingriff in die Privatsphäre der Betroffenen dar.

Außerdem sei das Grundrecht auf Gewährleistung der Vertraulichkeit und Integrität informationstechnischer Geräte (das sogenannte IT-Grundrecht) und auch das Fernmeldegeheimnis sowie im konkreten Fall zudem der Quellenschutz verletzt. Die GFF mahnt:

Der Staat ist verpflichtet, seine Bürger*innen vor solchen Angriffen zu schützen.

Die Staatsanwälte können bei der Zentralen Stelle für Informationstechnik im Sicherheitsbereich nachfragen. Die Hacker-Behörde ZITiS ist laut Spiegel „bereits seit 2019 Intellexa-Kunde“. Die GFF empfiehlt daher ein Amtshilfeersuchen.

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5 Kommentare zu „Journalist wehrt sich gegen Staatstrojaner-Angriff“


  1. EU Dual-Use Regulation (DUR)

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    FYI

    https://cdt.org/wp-content/uploads/2025/12/CDT-Europe-Report-on-the-Dual-Use-Regulation‑1.pdf

    This report examines how the EU Dual-Use Regulation (DUR), the only binding EU framework currently governing the export of spyware, is being implemented in practice. It analyses national licensing systems in four Member States, France, Germany, Italy and the Netherlands, to assess how export controls function on the ground. The research highlights both common shortcomings and divergences in procedures, resources and institutional capacity that fragment implementation across the Union.

    The proliferation of commercial spyware and cyber-surveillance technologies poses serious challenges to the protection of human rights and the resilience of democratic
    institutions. Investigations and parliamentary inquiries have documented repeated instances in which these technologies have been used to target journalists, human
    rights defenders and political opponents, contributing to systematic violations of fundamental rights.

    In the absence of substantive regulatory action to address these patterns of abuse, commercial spyware continues to be marketed and deployed with limited oversight. Export controls, while not sufficient on their own to address the entire lifecycle of spyware, remain one of the few binding instruments available to constrain this trade by imposing licensing requirements, recording transactions, and introducing a measure of transparency and accountability into a sector that otherwise operates with little scrutiny.


  2. Anonym

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    Bezieht sich die Bezeichnung „Staatstrojaner“ auf einen erhärteten Verdacht, dass der Angriff von vietnamesischen, staatlichen Stellen ausgeht? Oder bezieht sich die Bezeichnung ledigilich darauf, dass Predator auch an Staaten zum Einsatz als Staatstrojaner verkauft wird?


    1. Constanze

      ,

      Als Staatstrojaner wird eine Schadsoftware bezeichnet, die von den Anbietern als eine Spionagesoftware an Behörden, Polizeien, Geheimdienste oder Militärs vermarktet und durch staatliche Stellen eingesetzt wird, indem sie heimlich auf den auszuspähenden Geräten installiert wird und dann (bei Erfolg) Daten ausleitet.


  3. Anonym

    ,

    Könnte man erfahren, woran der Betroffene die Gefährlichkeit des Links erkannt hat? Was für eine Domain hatte der Link? Wer hatte die Domain registriert? War die Zielseite eine Kopie irgendeiner normalen Webseite? Ist etwas über die exploit-chain bekannt?


    1. Constanze

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      Ja, das ist in hohem Detailgrad untersucht und dokumentiert, siehe https://www.amnesty.org/en/wp-content/uploads/2023/11/ACT1072452023ENGLISH.pdf#page=22

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